Kreisrunde, hölzerne Schallreflektoren sind unter die Decke gehängt, die vom Altarrum her leicht ansteigt. Diese Holzschirme wirken wie schwebend. Sie sind das auffälligste Elemente des Raumbildes, kaum weniger ungewöhnlich als die spektakuläre Deckenform in Heilig-Geist. Akustik wird in diesem Kirchenraum, gemäß der Bedeutung, die dem gesprochenem Wort im evangelischen Gottesdienst zukommt, durch die Reflektoren geradezu sichtbar. An die Stelle der traditionellen hölzernen Kassettendecke setze Aalto nach eigenem Bekunden eine betont moderne Form, die in gleicher Weise eine gute Akustik gewährleisten konnte. Zugleich liegt in der Schirmform der Reflektoren ein beschützender Gestus.
Wichtig für den Raumeindruck ist wiederum die reduzierte Farbgebung. Das ungebrochene Weiß steigert die optische Wärme des ziegelroten Fußbodens und des Holztons der Deckenreflektoren. Die Lampen mit ihrem spärlichen goldenen Messingreflexen setzen wichtige Glitzerakzente. Der Raum wirkt dennoch auf den ersten Blick ausgesprochen kühl, fast zu sachlich. Auch erscheint die Raumgestalt im Vergleich mit der Heilig-Geist-Kirche statisch. Zum profanen Charakter tragen auch die Deckenreflektoren bei, wie man sie eher aus Vortrags- und Konzertsälen kennt, weniger aus Kirchen. Tatsächlich hat Aalto in keinem anderen Kirchenraum die Versachlichung, ja Profanierung der Raumatmosphäre so weit getrieben wie hier.
Zwar sind die Raumzonen differenziert belichtet. Aber auch hier gibt es nur Unterschiede zwischen hell und sehr hell. Bei längerer Betrachtung wird jedoch deutlich, daß Aalto bestechend schöne Lichtakzente gesetzt hat, und zwar im Altarbereich. Nur dort gibt es auch jene Kurvenbewegungen, die in Heilig-Geist den ganzen Raum beherrschen. Rechts und links vom Altartisch fältelt sich die Stirnwand in sanften Schwüngen - wie ein Vorhang, in den von hinten ein Windstoß fährt. Zur Decke hin scheint die Wand nach vorn zu fallen - ein textiler Effekt, unauffällig, doch im Kontrast zur harten Geometrie des Restraumes ungemein wirkungsvoll. Durch die große Lichtbucht linkerhand fällt helles Streiflicht auf die Altarwand und läßt die plastischen Formationen schön hervortreten. Daß die kristallinen Raumlinien ausschließlich im Altarbereich eine solche Belebung erfahren und durch Licht gemeinsam zum Schmelzen gebracht werden, unterstreicht die geistige Bedeutung dieser Raumzone.
Aalto hat beim Entwurf der Stephanus-Kirche die Absicht, profane und sakrale Atmosphäre zu integrieren, mit größerer Radikalität durchgeführt als bei der Heilig-Geist-Kirche, die als expressive Architekturplastik einen gewissen Ausnahmecharakter sakralen Bauens für sich beansprucht. Die vergleichsweise neutrale Architektur der Stephanus-Kirche erweist sich dagegen als offen auch für solche Zwecke des Gemeindelebens, die über die im engeren Sinne gottesdienstliche Nutzung hinausgehen. Die für Aalto kennzeichnende sachliche Festlichkeit macht den spezifischen Wert dieser Raumschöpfung aus.